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Babyklappen - Hilfe für verzweifelte Mütter und ihre Babys?

In Deutschland werden seit etwa zwei Jahren in vielen größeren und kleineren Städten so genannte „Babyklappen” eingerichtet. Vor allem kirchliche Einrichtungen beider Konfessionen, einige Krankenhäuser und ein privater Verein in Hamburg sind Betreiber der Babyklappen

.So funktioniert die Babyklappe
In einer Tür oder einem Fenster ist eine Vorrichtung mit einer mechanisch zu öffnenden Metallklappe eingebaut. Hinter der Klappe befindet sich ein Wärmebett, auf das der Säugling gelegt wird. Die Klappe schließt automatisch und kann, einmal geschlossen, nicht wieder geöffnet werden. Über ein Notrufsystem wird ein Mitarbeiter der Einrichtung alarmiert. Während dieser Zeit kann die abgebende Person verschwinden. Eine Mitarbeiterin der Einrichtung nimmt wenige Minuten nach der Kindesabgabe den Säugling in Empfang und bringt ihn zur medizinischen Untersuchung in ein Krankenhaus. Wenn es gesund ist, kommt es am nächsten Tag zu einer Pflegefamilie. Acht Wochen hat die Mutter Zeit, ihr Kind zurückzuholen. Dann wird der Säugling zur Adoption frei gegeben 

 

 

 

 

 

 

 

Babyklappen

 

Hanau
Hessen
St. Vinzenz Krankenhaus
Nußallee 28
63450 Hanau
nein
06181 - 272-0
Hannover
Niedersachsen
Frauenklinik Friederikenstift
Humboldtstraße 5
30169 Hannover
0800 60 500 40
Netzwerk Mirjam
0511 - 129-0
Zentrale
Nordhorn
Niedersachsen
Haus des Sozialdienstes
der katholischen Frauen Nordhorn (SkF)
Bentheimer Str. 33
48529 Nordhorn
nein
05921 - 8587-0
Zentrale
Osnabrück
Niedersachsen
Kinderheim St. Johann
Johannisstr. 39-40
49074 Osnabrück
0541 - 338770
Kinderheim St. Johann
0541 - 33877-0
Kinderheim St. Johann
Braunschweig
Niedersachsen
Krankenhaus Marienstift
Helmstedter Straße 35
38102 Braunschweig
0800 111 02 22
Telefonseelsorge
0531 - 70111
Zentrale
Minden
NRW
Am Brühl 7 Diakonisches Werk
Am Brühl 7
32423 Minden
nein
0571 - 3201023
Zentrale
Hüllhorst/Ahlsen
NRW
Initiative des FCG Eickhorst e.V.
Haupstr. 128
32609 Hüllhorst/Ahlsen
05744 - 509 0 50
05744 - 509 0 50
Bochum
NRW
Alexandrinenstr. 5 St. Joseph Hospital
Klinik für Kinder- & Jugendmedizin
Alexandrinenstr. 5
44791 Bochum
nein
0234-509-0
Zentrale
Essen
NRW
Bildungsinstitut Haus Nazareth
des Elisabeth Krankenhauses
Beethovenstr. 15
45128 Essen
0800 010 2210
Babyfenster e.V.
0201-82147-0
Zentrale
Recklinghausen
NRW
Prosper Hospital
Mühlenstr. 27
45659 Recklinghausen
02361 - 258 88
ProMoses
02361 - 54-0
Zentrale
Köln
NRW
Escherstraße 158 Haus Adelheid - Einrichtung
für alleinerziehende Mütter
Escherstr. 158
50739 Köln
nein
0221 - 173077
Zentrale
Düren
NRW
St. Marien-Hospital
Hospitalstr. 44
52353 Düren
nein
02421 - 805-0
Zentrale
Aachen
NRW
Kath.Stiftung Marienhospital Aachen
Zeise 4
52066 Aachen
Eingang Babyfenster: Abteistraße/Abteitor
an der Rückseite des Krankenhauses
nein
0241 - 6006-0
Zentrale
Duisburg
NRW
Katholisches Klinikum Duisburg
St. Johannes-Hospital
An der Abtei 7-11
47166 Duisburg-Hamborn
Eingang Babyklappe: Am Parkplatz Dieselstraße
nein
0203 - 546-0
Zentrale
Münster
NRW
St. Franziskus-Hospital GmbH
Hohenzollernring 72
48145 Münster
nein
0251 - 935-0
Oberhausen
NRW
Ev. Krankenhaus Oberhausen
Geburts-& Kinderklinik, Haus F
Virchowstraße 20
46047 Oberhausen
Eingang Babyklappe:
an der Rückseite des Krankenhauses
in der Falkensteinstraße
nein
0208 - 8810-0
Zentrale
Paderborn
NRW
St. Vincenz Krankenhaus
Am Busdorf 3
33098 Paderborn
nein
05251 - 86-0
Zentrale
Trier
Rheinland-Pfalz
Kinderheim Ruländer Hof
Hieronymos-Jaegen-Str. 1
54290 Trier
0651 - 9496222
Sozialdienst kath. Frauen (SkF)
0651 - 9496-0
Zentrale SkF
Worms
Rheinland-Pfalz
Ev. Krankenhaus Hochstift
Willy-Brandt-Ring 13-15
67547 Worms
nein
06241 - 856-0
Zentrale
Ludwigshafen
Rheinland-Pfalz
St. Marienkrankenhaus
Salzburger Straße 15
67067 Ludwigshafen am Rhein
nein
0621 - 5501-0
Zentrale
Neunkirchen
Saarland
Langenstrichstr. 44 St. Josef-Krankenhaus
Langenstrichstr. 44
66538 Neunkirchen
nein
06821 - 104-0
Zentrale
Dresden
Sachsen
Kaleb Dresden e.V.
Bautzener Straße 52
01099 Dresden
0800 456 0 789
Projekt Findelbaby
0351 - 8107451
Zentrale
Chemnitz
Sachsen
Klinikum Chemnitz gGmbH
Frauenklinik
Flemmingstraße 4
09116 Chemnitz
nein
0371 - 333-0
Zentrale
Halle
Sachsen-Anhalt
Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara
Mauerstr. 5-10
06110 Halle
nein
034521 - 33-0
Zentrale
Lübeck
Schleswig-Holstein
Mutter-Kind-Haus
Mengstr. 62
23552 Lübeck
nein
0451 - 7060191
Zentrale
Erfurt
Thüringen
HELIOS Klinikum Erfurt GmbH
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Gorkistr. 6
99084 Erfurt
0361 - 7814142
0361 - 7814033
Pforte

Österreich
 
 
Linz
Oberösterreich
Landeskinderklinik Linz
Krankenhausstraße 26
4020 Linz
nein
0043 - 70 69230
Zentrale
Ried
Oberösterreich
Schlossberg 1 Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried
Betriebsgesellschaft m.b.H.
Schlossberg 1
4910 Ried
nein
0043 - 77 526020
Wien
Wien
Wilhelminenhospital
Kinderklinik
Montlearstr. 37
Babynest: Eingang Flötzersteig 4
1160 Wien
nein
0043 - 1 491500
St. Veit
Kärnten
Spitalgasse 26 Krankenhaus der Barmherzigen Brüder -
St. Veit
Spitalgasse 26
9300 St. Veit an der Glan
nein
0043 - 42124990
Schweiz
Einsiedeln
Kanton Schwyz
Regionalspital Einsiedeln
Spitalstr. 28
8840 Einsiedeln
nein
0041 - 554185111
 

 

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Für wen ist die Babyklappe gedacht?
Schwangere, die sich in einer extremen Notsituation befinden und ein Kind nach der Geburt zum Beispiel nicht versorgen können oder es (aus welchen Gründen auch immer) nicht behalten wollen, sollen mit der Babyklappe die Möglichkeit haben, nach der Geburt ihren Säugling sicher auszusetzen beziehungsweise abzugeben. Damit soll verhindert werden, dass Neugeborene in einer hilflosen Situation ausgesetzt oder gar getötet werden.

 

Geschichte der Babyklappen
Zu allen Zeiten gab es Mütter die ihre Kinder in extremen Notsituationen ausgesetzt oder getötet haben. Die Problematik der betroffenen Frauen hat sich bis heute kaum geändert. Häufig wurden die Schwangeren von den Kindsvätern dazu gezwungen, ihr Kind auszusetzen oder gar zu töten, weil diese unerkannt bleiben oder für den Unterhalt nicht aufkommen wollten. Ein weiterer Grund: Viele Frauen waren schlicht und ergreifend nicht in der Lage, das Kind zu ernähren. Kindsmörderinnen drohten im Mittelalter und noch bis ins 18. Jahrhundert hinein grausame Strafen: Die Mütter wurden zum Beispiel lebendig begraben, öffentlich auf einen Pfahl gespießt oder, wie im Rheinland üblich, „gesackt”. Das heißt, sie wurden lebendig in einen Sack gesteckt, der im Rhein versenkt wurde. Frauen, die ihre Kinder nicht umbrachten, sie aber auch nicht ernähren konnten, hatten die Möglichkeit ihr Kind in einer Klappe, die sich an den Pforten vieler Klöster befand, abzugeben. Die Findelkinder erhielten in den Klöstern Erziehung und Ausbildung, bis sie arbeitsfähig waren. Meist mussten die Findelkinder dann das Kloster wieder verlassen.

Die Renaissance der Babyklappen
m Juli 1999 wurde im bayerischen Ambach das „Projekt Moses” gegründet. Der Sozialdienst katholischer Frauen, mit der Vorsitzenden Maria Geiss-Wittmann, lehnte ein neues Projekt an die längst vergessene klösterliche Tradition an und eröffnete die erste Babyklappe in Deutschland. Am 5. April 2000 eröffnet der private Verein „SterniPark” nach dem grausigen Fund eines Neugeborenen in einer Müllsortieranlage die erste Babyklappe in Hamburg. Vierzehn Tage später wird dem Verein das erste Baby überlassen. Anfang Oktober 2000 sind bereits drei Kinder bei dem Verein abgegeben worden.

Kindsaussetzungen, Kindstötungen und Babyklappen werden beinahe über Nacht in ganz Deutschland zum Thema. Ein positiver Aspekt: In den Medien werden die Mütter nicht mehr als Täterinnen stigmatisiert, sondern die extreme Notsituation, in der sich die Frauen befinden, wird thematisiert. In vielen kleineren und größeren Städten werden Babyklappen eröffnet. Politiker und Kirchen beider Konfessionen treten an die Öffentlichkeit und haben es sich zur Aufgabe gemacht, „Leben zu retten”. Mit Babyklappen soll verhindert werden, dass „die verzweifelte Mutter in aussichtsloser Situation ihr Kind auf den Müll wirft, oder es hilflos am Straßenrand aussetzt”.

Kritiker und Befürworter der Babyklappen

Befürworter der Babyklappen führen insbesondere folgende Argumente an:

  • Babyklappen retten Leben, weil Mütter, die ihre Kinder aussetzen oder töten, jetzt den Weg zur Babyklappe finden und dort völlig anonym ihre Kinder abgeben können.
  • Der Mutter wird in einer extremen Notsituation geholfen, weil die Mutter nach Abgabe des Kindes wieder in ihr „normales“ Leben zurückkehren kann und keine Angst vor einer Strafverfolgung haben muss. Da sie ihr Kind in der Babyklappe abgegeben hat, hat sie es nicht in einer hilflosen Lage zurückgelassen und sich damit auch nicht strafbar gemacht.
  • Die Mutter bleibt anonym, weil sie es will.
  • Die Mutter weiß, dass ihr Kind gut versorgt wird und es später einmal besser haben wird.
  • Die Kinder haben die Möglichkeit, in ein normales Leben zu finden. Sie werden nach der Abgabe erst einmal bei einer liebevollen Pflegefamilie untergebracht und anschließend werden sie zu Adoptiveltern vermittelt - statt „bei einer überforderten Mutter aufzuwachsen”.

Gegen diese Argumente haben es die Kritiker schwer. Allzu schnell ernten sie den Vorwurf, sie wollten kein Leben retten.

Die ServiceZeit Familie hat einige Babyklappenkritiker befragt:

Die Diplompsychologin Regula Bott ist bei der GZA (Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle) in Hamburg beschäftigt. Sie arbeitet in der Adoptionsvermittlung und kennt die Situationen und Schicksale von adoptierten Kindern und abgebenden Müttern aus ihrer langjährigen Praxis. Leider bekam sie von ihrer Behörde, die mit dem Verein SterniPark kooperiert, keine Aussagegenehmigung, „weil sie nicht bereit ist die Meinung der Behörde zu vertreten“, wie die Pressesprecherin der Behörde mitteilte. Wir haben Frau Bott deswegen als Privatperson interviewt.

Die Kriminologin und Pädagogin Professor Christine Swientek von der Uni Hannover beschäftigt sich seit über 20 Jahren sowohl wissenschaftlich als auch praktisch mit der Problematik abgebender Mütter und den Folgen für die Adoptivkinder. Sie hat sowohl abgebende Mütter begleitet, die sich oft nach Jahren auf die Suche nach ihren Kindern machen, als auch Adoptivkinder, die ihre leiblichen Eltern suchen. Darüber hinaus hat sie den kriminologischen Aspekt der Kindesaussetzung untersucht.

Professor Alfred Wolf ist Rechtswissenschaftler für Familienrecht an der Uni Berlin. Er beschäftigt sich unter anderem mit der verfassungsrechtlichen Seite der Babyklappen und der anonymen Geburt.

 

Ihre Argumente:

Wie sieht die Lebenssituation der Frauen aus, die ihre Kinder töten?
Die letzten wissenschaftlichen Untersuchungen hierzu wurden Mitte der 80er-Jahre gemacht. Dabei wurde festgestellt, dass zwar der überwiegende Teil der Frauen aus niedrigen sozialen Schichten kommt, aber längst nicht alle. Es sind zum Beispiel Frauen, die in einem extremen Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem Partner stehen, der das Kind nicht haben will. Belasten zudem finanzielle Probleme, Gewalt, Arbeitslosigkeit und/oder Alkohol den Alltag, wird die Lebenssituation immer unerträglicher. Diese Frauen leben oft völlig isoliert von der Außenwelt und haben weder Freunde noch andere Personen, denen sie sich anvertrauen können. Die Kindstötung kann in manchen Fällen auch die tragische Folge einer durch Vergewaltigung schwanger gewordenen Frau sein, die bewusst ihr Kind tötet.

Gemeinsam ist vielen Frauen ein tief sitzendes Trauma. Viele verdrängen ihre Schwangerschaft und nehmen sie erst im siebten oder achten Monat wahr. Die Schwangeren befinden sich bereits lange vor der Geburt in einer Situation der Panik, können nicht mehr klar denken und rational entscheiden. Sie sind „kopflos” Sie verbergen die Schwangerschaft vor der Außenwelt solange es irgendwie geht. Nicht selten werden die Frauen von der Geburt überrascht: Die Wehen setzen ein, sie suchen eine öffentliche Toilette auf oder bringen das Kind alleine und ohne Hilfe zu Hause zur Welt.

Finden Frauen in dieser Situation den Weg zur Babyklappe und können Kindstötungen verhindert werden?
Professor Christine Swientek: „Eine Frau in dieser Situation (Panik und Kopflosigkeit, Anmerkung der Redaktion) wird ihr Kind töten. Sie geht mit Sicherheit nicht auf die Suche nach der nächsten Babyklappe. Das heißt ja, sie müsste vorbereitet sein und das hat mit Panik und Kopflosigkeit nichts zu tun, das schließt sich aus. Die ,Kopflosigkeit’ dieser Frauen führt dazu, dass sie ihr Kind töten. Sie werfen es aus dem Fenster, ersticken es in der Kloschüssel oder bringen es zum Müll. Kaum vorstellbar, dass eine Frau in dieser Situation den Weg zur Babyklappe findet.”

„Auch eine Frau, die ihr Kind bewusst töten will, wird es tun, denn sie hat dazu einen Grund, der uns unbekannt ist - wenn es sich tatsächlich um Mord handelt. Und Mord heißt: Ich will, dass das Kind tot ist und das wird nicht durch eine Babyklappe ersetzt, denn da ist das Kind nicht tot, sondern es lebt.” So die Kriminologin Professor Swientek.

Doch es gibt auch Mütter, die ihr Kind weder in Panik noch bewusst töten, sondern es leben lassen wollen. Wenn solche Frauen ihre Kinder angezogen und in Taschen zum Beispiel vor Krankenhäusern abstellen, nennen Fachleute dies „zum Leben aussetzen”.

Finden nun Mütter, die ihre Kinder „zum Leben aussetzen”, den Weg zur Babyklappe?
Wenn diese Frauen den Weg finden, müssen sie vorbereitet sein und das heißt: Die Frau muss sich bereits vor der Geburt informiert haben, wo es überhaupt eine Babyklappe gibt und wie sie möglichst unerkannt dorthin kommt. Dazu muss sie den Weg mindestens einmal gefahren sein und sich die Umgebung der Babyklappe anschauen. Eine solche Frau wäre also in der Lage, reflektiert und bewusst klare Entscheidungen zu treffen.

Professor Christine Swientek: „Wenn sie von vornherein entscheiden kann: Dieses Kind, was ich erwarte, bringe ich in die Babyklappe, kann sie genau so gut entscheiden: Dieses Kind gebäre ich im Krankenhaus und sage der Hebamme, bitte informieren Sie das Jugendamt, ich möchte dieses Kind nicht haben. Ich gebe es zur Adoption frei. Das ist der ganz reguläre Weg, der seit Jahren beschritten wird.”

Die Situation einer ungewollt und unter Druck stehenden Schwangeren ist aber wohl eher so zu beschreiben: Sie lebt seit Wochen oder Monaten in einer panischen Situation. Sie bringt hilflos und alleine ihr Kind zur Welt. Nachgeburt, Blutungen, Schmerzen und häufige Schwangerschaftsdepressionen auf Grund der hormonellen Umstellung folgen.

Diplompsychologin Bott: „Das ist eine ganz anstrengende, außergewöhnliche Situation. Die Frauen sind total unter Druck. Sie sehen für sich selbst überhaupt nicht klar. Also frisch entbunden sind die wenigsten Frauen so stabil, dass sie weite Wege machen können, dass sie öffentliche Verkehrsmittel benutzen können, sind oft noch recht schwach und wackelig auf den Beinen. Also, dass Frauen in dieser Situation den Weg zur Babyklappe finden, ist sehr unwahrscheinlich”

Wer legt das Kind in die Babyklappe?
Die meisten Neugeborenen werden wenige Stunden nach der Geburt ausgesetzt. Experten bezweifeln deswegen, dass grundsätzlich immer die Mutter das Kind aussetzt.

Diplompsychologin Bott: „Ich möchte in diesem Zusammenhang nicht nur von den Müttern sprechen. Weil: Wir wissen aus der Adoptionsvermittlung, dass die Frauen, die ihre Kinder ins reguläre Adoptionsverfahren geben, sehr unter Druck stehen und nicht nur unter dem eigenen Druck, sondern Familienangehörige, Verwandte, Väter, Eltern, Freunde und Partner. Also, so freiwillig wie gerne mal behauptet wird, ist die Kindesabgabe nicht. Das heißt konkret, wir wissen nicht woher die Kinder (in der Babyklappe, Anmerkung der Redaktion) kommen und wer sie abgegeben hat.”

Auch Professor Swientek hat in Hinblick auf die abgebende Person ihre Zweifel: „Ich stelle mir vor, das Kind liegt darin, der Sensor schlägt an und keiner weiß, wer es ausgesetzt hat. Es macht sich natürlich am besten zu sagen: 'Die verzweifelte Mutter in höchster Not', das ist ja so dieser komplette Satz, 'war es die den Weg zur Babyklappe gefunden hat, damit ihr Kind leben kann.' Es ist genau so vorstellbar und es würde den Untersuchungen zum Schwangerschaftsabbruch und Adoption entsprechen (dabei wurde untersucht, ob die Mütter freiwillig die Schwangerschaft abgebrochen, beziehungsweise das Kind zur Adoption frei gegeben hat, Anmerkung der Redaktion), dass fast die Hälfte aller Mütter gezwungen werden. Oder aber, bei der Babyklappe - da muss das Kind ja hingebracht werden, viele werden ja unmittelbar nach der Geburt abgegeben, dass das die Kindsväter, die Eltern oder andere Personen sind.”

Niemand kann also genau sagen, wer die Kinder in die Babyklappen legt, weil dies völlig anonym geschieht. Ein Missbrauch, zum Beispiel Kindesentzug, kann nach Meinung des Rechtswissenschaftlers Professor Alfred Wolf (Uni Berlin) nicht ausgeschlossen werden.

 

Verhindern Babyklappen das Aussetzen der Kinder?
Offensichtlich nicht. Trotz Babyklappen werden auch weiterhin Kinder ausgesetzt und getötet. Das zeigen Beispiele aus Hamburg, einer Stadt mit zwei Babyklappen und Amberg mit einer Babyklappe. In diesem Jahr wurden in Hamburg weitere Kinder ausgesetzt und nicht zur Babyklappe gebracht und ein Neugeborenes tot gefunden. Auch in Bayern, unweit der Amberger Babyklappe, fand man ein Neugeborenes tot unter einem Kanaldeckel. In diesem Fall ist ebenfalls nicht zu anzunehmen, dass eine Mutter die gerade entbunden hat, einen schweren Kanaldeckel hochhebt und das Kind darunter entsorgt.

Stattdessen vermutet Professor Swientek, dass das Angebot der Babyklappen erst dazu verführt, Kinder leichter auszusetzen. Zahlen aus Hamburg scheinen diese Vermutung zu bestätigen. So wurde:

  • 1995 in Hamburg ein Kind ausgesetzt.
  • 1996 keine Kinder ausgesetzt oder tot gefunden.
  • 1997 zwei Kinder ausgesetzt.
  • 1998 kein Kind ausgesetzt.
  • 1999 vier Kinder ausgesetzt.

Seit Bestehen der Babyklappen wurden in Hamburg von April 2000 bis April 2001 dem Verein SterniPark 13 Kinder über die Babyklappe, persönliche Übergabe oder anonyme Geburt überlassen.

Jedes abgegebene Baby ist für die Babyklappenbetreiber, und nicht nur für den Hamburger Verein SterniPark, ein Beleg dafür, dass ihre Einrichtungen notwendig und sinnvoll sind, weil „Leben gerettet wird”.

Dazu Professor Swientek: „Ich halte es für ein Märchen und ich weigere mich zu glauben, dass all diese Frauen, die seit Jahrzehnten ohne Babyklappen leben mussten, ihre Kinder getötet oder ausgesetzt haben. Das ist ein Angebot, das die Nachfrage erhöht, wie wir deutlich sehen. Das ist eine Möglichkeit, das Kind loszuwerden.”

Von der Babyklappe zur anonymen Geburt
Der Geschäftsführer des Vereins "SterniPark", Dr. Jürgen Moysich, erklärt uns im Interview, dass die „Babyklappe nur der halbe Weg ist. Die Frauen müssen medizinisch versorgt und wenn sie das wollen auch betreut werden”. Dabei sei es wichtig, sie in ihrer Anonymität zu belassen, denn das wollen die meisten, so Dr. Moysich.

In ganz Deutschland gibt es inzwischen Krankenhäuser, die Schwangeren die Möglichkeit einer anonymen Geburt anbieten. Die Frauen kommen in das Krankenhaus und gebären dort anonym oder unter falschem Namen. Laut Gesetz ist das Krankenhaus dazu verpflichtet, jede Geburt innerhalb einer bestimmten Frist den Behörden mitzuteilen. Ist die Identität der Mutter nicht bekannt, kann das Krankenhaus dem Standesamt darüber auch keine Auskunft geben. In den meisten Fällen werden die anonym geborenen Kinder erst in eine Pflegefamilie vermittelt und dann zur Adoption freigegeben.

Ob Babyklappe oder anonyme Geburt: Die Anonymität der Mutter und die Folgen
Solange eine Schwangere in einer Notsituation in ihrer Anonymität bleibt, kann ihr nicht wirklich geholfen werden. Da sind sich viele Experten einig. Babyklappen erfüllen den einzigen Zweck, das ungewollte Kind loszuwerden. Die Mütter, wenn sie es denn sind, die das Kind in die Klappe legen, werden vor und nach der Abgabe alleingelassen.

Professor Christine Swientek begleitet seit über 20 Jahren unter anderem abgebende Mütter auf der Suche nach ihren Kindern. Ihre Erfahrung: Viele Mütter erinnern sich jedes Jahr an den Geburtstag ihrer Kinder. Oft stürzen sie, manchmal erst Jahre nachdem sie ihr Kind abgegeben haben, in eine so tiefe Verzweiflung, dass sie ohne psychologische Hilfe nicht mehr zurechtkommen. Auch Regula Bott kennt die Verzweiflung der Mütter und die Folgen für die abgegebenen Kinder. Irgendwann suchen die meisten adoptierten Kinder nach ihren Wurzeln, so die Diplompsychologin. Wenn sie keine Möglichkeit haben, so wie es bei den Babyklappen der Fall sein wird, nach ihrer Herkunftsfamilie zu suchen, weil das Band für immer durchgeschnitten ist, werden viele dieser "Kinder" Schwierigkeiten haben, ihre Identität zu finden. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes nicht richtig „im Leben verwurzelt”.

Bei Anonymität gibt es nur eine "falsche" Geburtsurkunde: Wird das Findelkind beim Standesamt angemeldet, erhält es den Namen seiner Adoptiveltern. Die wahre Herkunft wird für immer verschwiegen. Bei der Inkognito-Adoption (die Identität der leiblichen Mutter/Eltern ist nur der Behörde bekannt) gibt es immerhin zwei Geburtsurkunden: Eine mit der wahren Identität, die beim Standesamt hinterlegt wird, und eine zweite Geburtsurkunde die das Kind als leibliches und eheliches Kind seiner Adoptiveltern ausweist. Mit diesen zwei Geburtsurkunden besteht wenigstens die Möglichkeit einer Rekonstruktion der wahren Identität.

Gitta Liese leitet eine Selbsthilfegruppe von Adoptierten und kennt die Suche nach den Wurzeln aus eigener Erfahrung. Auch sie wurde adoptiert und hat sich als Erwachsene auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern gemacht. Gitta Liese: „Auch nur der kleinste Anhaltspunkt, wer die leiblichen Eltern oder die Mutter war, wo und wie sie gelebt haben, ist wichtig, damit man seine Identität finden kann. Man stellt sich immer die Frage, warum hat sie mich abgegeben und manchmal bekommt man keine Antwort. Man muss nicht alles erfahren, aber es ist für uns Adoptierte wichtig, überhaupt die Möglichkeit zu haben, erfahren zu können, wer die Mutter oder die Eltern waren beziehungsweise sind.”

Adoptierte und abgegebene Kinder leben lange in dem Glauben, dass die Adoptiveltern ihre leiblichen Eltern sind. Die Adoptiveltern selbst haben oft das Problem den richtigen Zeitpunkt zu finden, in dem sie ihren Kindern erzählen, dass sie nicht die leiblichen Eltern sind. Können keine Angaben über die leiblichen Eltern oder die Mutter gemacht werden, sind weitere Probleme vorprogrammiert.

Die Adoption zu verschweigen, bedeutet die Wurzeln der Kinder zu verschleiern. Oft haben Adoptierte ein „inneres Wissen oder eine Ahnung”, erklärt die Diplompsychologin Regula Bott. Dem sollte von Seiten der Adoptiveltern Rechnung getragen werden.

Babyklappen und anonyme Geburt sind in Deutschland (noch) illegal
Hat eine abgebende Mutter das Kind nicht in einer „hilflosen Lage“ zurückgelassen, droht ihr keine Strafverfolgung. Den Straftatbestand der Kindesaussetzung hat der Gesetzgeber 1998 abgeschafft.

Das deutsche Recht sieht allerdings keine Anonymität bei Geburt vor und das aus gutem Grund: Neugeborene, die nicht beim Standesamt registriert sind, existieren rechtlich nicht. Werden die abgegebenen Kinder erst nach Wochen dem Standesamt gemeldet, treten juristische Probleme auf.

Noch bis in die 60er-Jahre hinein war die Adoptionsvermittlung auch für Privatbürger möglich. Ein schwunghafter Babyhandel war bis Ende der 60er-Jahre an der Tagesordnung und so mancher Gynäkologe verdiente nicht schlecht mit dem Verkauf von Kindern ins Ausland, berichtet Professor Christine Swientek, die diese Situation während ihrer Ausbildung selbst erlebt hat. Erst mit der Regelung im Personenstandgesetz und dem Adoptionsrecht konnte der Kinderhandel unterbunden werden.

Der Rechtswissenschaftler und Familienrechtler Professor Alfred Wolf war maßgeblich an der Entwicklung und Ausgestaltung des deutschen Adoptionsrechts beteiligt. Heute beschäftigt er sich unter anderem mit der juristischen Problematik der Babyklappen, der anonymen Geburt und einer anstehenden Änderung des Personenstandgesetzes.

Wir sprachen mit Professor Wolf in einem Interview über die juristische Problematik einer anonymen Kindesabgabe: „Wenn die Eltern des Kindes nicht gefunden werden, verliert das Kind sehr viel: Es verliert einmal das verfassungsmäßig gesicherte Recht auf Kenntnis seiner Abstammung. Es ist ein Menschenrecht, sagt das Bundesverfassungsgericht in einer berühmten Entscheidung. Es hat allerhöchsten Rang. So dass also jede Verletzung dieses Rechts nicht gestattet ist. Es ist verboten. Es kann auch in medizinischen Dingen wichtig sein, zu wissen wer die Eltern sind. Es kann wichtig sein, welche erblichen Belastungen liegen vor, welche Krankheiten können vermieden werden. Alle diese Dinge werden (durch die völlige Anonymität der Eltern, Anmerkung der Redaktion) abgeschnitten. Deswegen kann eine Zusicherung der Betreiber von Babyklappen, dass Anonymität gewahrt wird (rechtlich, Anmerkung der Redaktion) nicht gegeben werden. Der Staat und seine Behörden haben die Pflicht nach den Eltern zu forschen. So dass man den Müttern, die in einer solchen Notlage sind, sagen muss: Legt das Kind nicht in die Babyklappe. Holt euch Hilfen von den Stellen, die dafür da sind. Es gibt das Jugendamt, es gibt die Kirchen. Wer hilft nicht, wenn eine Mutter kommt? Die Panik solcher Frauen ist eine andere Sache, da hilft auch keine Babyklappe.”

Auch das Unterlassen der Meldung über den Fund eines Kindes verstößt gegen bestehendes Recht, erklärt Professor Wolf. Laut Gesetz ist der Finder eines ausgesetzten Kindes verpflichtet, innerhalb von 24 Stunden den Fund der Polizei zu melden. Wie der Rechtswissenschaftler erläutert, müssen die Behörden aktiv werden und nach der Mutter, beziehungsweise den Eltern suchen.

Änderung des Personenstandgesetzes
All diese Argumente der Kritiker anonymer Geburten und Babyklappen scheinen keinen Einfluss auf geplante Gesetzesvorhaben einiger Landesregierungen zu haben. Sie wollen das Personenstandgesetz möglichst schnell ändern, damit Babyklappen und anonyme Geburt in Deutschland rechtlich legalisiert werden. Politiker aller Parteien sowie kirchliche Organisationen und deren Vertreter schlagen die Trommel für die Babyklappen und die anonyme Geburt. NRW-Familienministerin Fischer will noch vor der möglichen Änderung des Personenstandgesetzes ein flächendeckendes Netz von Babyklappen und Krankenhäusern, die anonym entbinden, in NRW einrichten.

Um das Personenstandgesetz zu ändern und den Bedarf zu begründen, werden geschätzte Zahlen über die betroffenen Kinder angeführt. Angeblich sollen jährlich zwischen 40 und 60 Kinder ausgesetzt, beziehungsweise tot gefunden werden. Die Dunkelziffer (der Kinder, die nicht gefunden werden), soll nach Meinung einiger Babyklappenbefürworter und Politiker noch weitaus höher liegen.

Die ServiceZeit Familie hat beim Bundeskriminalamt und beim Statistischen Bundesamt nachgefragt: Keine Behörde konnte uns die Zahl von 40 bis 60 Kindern bestätigen.

Verlässliche Zahlen gibt es in Deutschland nicht, demnach kann auch keine Dunkelziffer berechnet werden. Vom wissenschaftlichen Standpunkt gesehen ist dies unseriös und moralisch gesehen verantwortungslos, meint die Wissenschaftlerin Professor Swientek.

Statt Babyklappen und anonyme Geburt zu legalisieren, sollten lieber die bestehenden Angebote wie zum Beispiel Beratungsstellen und Mutter-Kind-Heime finanziell gefördert, bekannt gemacht und verbessert werden - so die Kritiker.Telefon - Hotline:
Die kostenlose deutschlandweite Telefon - Hotline des Projekts "Findelbaby" für Beratung und Hilfe von schwangeren Frauen:


0800 456 0 789

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